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evangelischen Kirchengemeinden Alsheim und Mettenheim
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AN ge DACHT

Wenn Jesus Urlaub machen würde … Ferien in Zeiten des Stillstands
mit Markus 6,30-34

Urlaub zu Hause. Menschen machen das Jahr für Jahr. Weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht verreisen können, weil ihnen das Geld fehlt, weil sie aus ökologischen Gründen darauf verzichten. Urlaub zu Hause. Wie im vergangenen Jahr kann das auch heuer geschehen: weil Reisen zu gefährlich ist, weil viele beliebte Reiseziele noch gesperrt sind oder auch – wieder – weil das Geld fehlt. Was tun? Ich möchte drei Stimmen zu Wort kommen lassen.

Die erste Stimme ist eine Comic-Figur aus einer Märchenwelt. Ich befürchte aber, es ist die bekannteste Stimme. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit, wirfst du den Alltag und die Sorgen fort, und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir, egal von welchem Ort“, singt der Bär Balu in dem bekannten Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“. Und wer den Text liest, hat auch schnell die Melodie im Ohr und swingt mit. Stimmt´s? Der Bär ist uns sofort sympathisch, und wir beneiden ihn um seine Lebenskunst: Alltag und Sorgen über Bord zu werfen, einfach mal abzuschalten und alle Viere von sich zu strecken.

Lassen wir einen seriöseren Zeugen zu Wort kommen: den Zistersienser-Abt Bernhard von Clairvaux in einem Brief an Papst Eugen III. aus dem Jahre 1150: „Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage nicht weiter, was damit gemeint ist; wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon so weit. (…) Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

Nun, und wem das Plädoyer des heiligen Bernhard für richtig verstandenen Urlaub und Ruhe nicht ausreicht, der lese in der Heiligen Schrift nach. Für uns als Christen die maßgeblichste Stimme. Im Evangelium von Markus hatte Jesus seine Jünger auf eine Missionsreise geschickt, von der sie jetzt wiederkommen. Und Jesus empfiehlt ihnen Urlaub zu machen.
Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein.

Jesus empfiehlt seinen Jüngern nicht nur, mal auszuspannen, sondern er liefert das Rezept für einen gelungenen Urlaub gleich mit: Die „Urlaubstheologie“ Jesu rät zu einem Urlaub mit wenigen Menschen und an einem einsamen Ort. Weg von den großen Urlaubsorten, nicht dorthin gehen, wo alle sind und wo man meint, gewesen sein zu müssen. Der zweite Ratschlag: Urlaub um auszuruhen. Nicht drei Länder in vier Tagen sehen, nicht die neue Trend-Sportart ausprobieren, sondern Ruhe und Gemütlichkeit. Gemütlichkeit verstanden als Zeit, um Körper und Geist zu erholen.

Zeit für Gemeinschaft. Untereinander und mit Gott. Zeit, die wir in diesem Jahr auch nicht immer hatten. Konkreter: Wir hatten zeitweise nicht die Möglichkeit für gemeinsamen Gottesdienst. Viele Menschen haben ihn vermisst und sind damit den Menschen nicht unähnlich, von denen das Markusevangelium weiter erzählt:
Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.

Jetzt im Sommer bieten sich viele Gelegenheiten für kleine Auszeiten und längere Urlaube an nicht überlaufenen Orten. Gelegenheiten, die ich uns wünsche, um zur Ruhe zu kommen. Aufzutanken nach den Monaten des Stillstands, der Verunsicherung, der Verunmöglichung von gewohntem Leben – und noch sind wir wirklich nicht „über den Berg“. Aber wir haben Grund zur Hoffnung, Grund zuversichtlich zu sein.

Davon sollten wir viel mitnehmen in diese Wochen des Sommers und sie austeilen an die Menschen in unserem Umfeld und an die, denen wir begegnen werden. Ausruhen. Kraft tanken. Atem holen.

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Ihr
Pfarrer Markus Müsebeck

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